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Sonstige kinderurologische Fragestellungen

Geschrieben von Martin Haydter. Veröffentlicht in Urologie für das Kind

Neben der Vorhautverengung, dem Hodenhochstand und dem Bettnässen gibt es noch zahlreiche andere kinderurologische Erkrankungen.

Relativ häufig ist die Ureterabgangsstenose, bei der der Harnleiter nach seinem Abgang aus dem Nierenbecken eingeengt ist, sowie der vesico-ureterale Reflux, bei dem Harn zwischen Blase und Nieren pendelt, was zu Nierenbeckeninfektionen führen kann. Aber auch Nierensteinerkrankungen können bereits im Kindesalter auftreten.

Grundsätzlich sollte bei Harnwegsinfektionen im Kindesalter oder unklaren Flankenschmerzen immer ein urologischer Facharzt zu Rate gezogen werden, um solche Erkrankungen auszuschliessen bzw. sie rechtzeitig und adäquat behandeln zu können.

Wichtig ist bei der Untersuchung der Kinder natürlich eine ruhige Atmosphäre und ausreichend Zeit, um den Arztbesuch für die kleinen Patienten und die Eltern möglichst stressfrei zu halten. Eine solche Atmosphäre versuche ich Ihnen in meiner Ordination anzubieten.

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Enuresis

Geschrieben von Martin Haydter. Veröffentlicht in Urologie für das Kind

Bettnässen (Enuresis) ist sowohl für Kinder als auch Eltern eine sehr belastende Situation. Je älter das Kind wird, umso gravierender wird auch das Problem.

Eine urologische Basisuntersuchung ist jedenfalls sinnvoll, dabei wird ein zugrundeliegender Harnwegsinfekt ausgeschlossen und der Harntrakt sonographisch beurteilt. Danach wird über einen längeren Zeitraum ein spezielles Protokoll angefertigt, um das Ausmass des Problems festzustellen. Denn es ist sehr wichtig, die möglichen Ursachen auseinanderzuhalten. Diese können in einer zu niedrigen Blasenkapazität oder einer übermässigen nächtlichen Harnproduktion zu finden sein. Aber auch andere Ursachen wie psychische Faktoren können zum Bettnässen führen.

Sollte eine noch nicht ausgereifte Blasenkapazität zugrunde liegen, kann ein blasendämpfendes Medikament erfolgreich sein. Bei übermässiger nächtlicher Harnproduktion (nächtliche Polyurie) kann man mit einer Schmelztablette versuchen, in diesen Mechanismus einzugreifen.

Verhaltenstherapeutische Massnahmen ergänzen des Spektrum der Therapiemöglichkeiten.

Die Behandlung dieser Erkrankung, die vielen Kindern und Eltern im wahrsten Sinne des Wortes schlaflose Nächte bereitet, benötigt meist einen längeren Zeitraum, um den gewünschten Therapieerfolg zu errreichen. Ausführliche Gespräche zwischen dem behandelnden Arzt, dem Kind und den Eltern sind dabei sehr wichtig und sollten ohne Zeitdruck erfolgen können.

 

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Hodenhochstand

Geschrieben von Martin Haydter. Veröffentlicht in Urologie für das Kind

Während der Entwicklung im Mutterleib wandern die Hoden, die zunächst im Bauchraum angelegt werden, am Ende der Schwangerschaft in den Hodensack.

Manchmal bleibt allerdings ein Hoden, ganz selten beide, im Leistenkanal stecken (Leistenhoden) oder tritt nur auf Druck in den Hodensack hinunter (Gleithoden). In sehr seltenen Fällen findet man den Hoden bei der Untersuchung gar nicht (sog. Kryptorchismus).

Dies ist aus zwei Gründen problematisch. Erstens kann der Hoden durch die für Ihn zu hohe Temperatur oberhalb des Hodensackes Schaden nehmen, insbesondere trifft dies auf die Samenzellproduktion zu. Und zweitens birgt ein lebenslanger Hodenhochstand ein stark erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Hodentumors.

Heute ist es internationaler Konsens, dass die Behandlung bis zum 12. Lebensmonat abgeschlossen sein soll.

Die Untersuchung ist für die Babys völlig schmerzfrei und besteht aus Tastbefund und Ultraschall.

Zunächst kann ein Therapieversuch mit einem Medikament, das per Nasenpray verabreicht wird, erfolgen, in aller Regel ist aber die operative Korrektur erforderlich, um die volle Funktionsfähigkeit des Hodens für die Zukunft zu erhalten und kein Risiko bezüglich einer etwaigen späteren Tumorerkrankung einzugehen.

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Phimose

Geschrieben von Martin Haydter. Veröffentlicht in Urologie für das Kind

Die  Vorhautverengung ist im Neugeborenenalter als normal anzusehen. Keinesfalls sollte die Vorhaut gewaltsaum zurückgezogen werden, da es dabei zu Einrissen kommen kann, die zu einer bleibenden Verengung führen können.

Ab dem Alter von etwa 3 Jahren sollte die Vorhaut ganz hinter die Eichel zurückgezogen werden können.

Ist dies nicht der Fall, ist eine Untersuchung erforderlich. Bei höhergradiger Verengung ist eine Beschneidung sinnvoll. Dem Kind erwachsen daraus keine Nachteile, ganz im Gegenteil ist z.B. die Entwicklung eines Peniscarcinoms bei Jungen, die vor der Pubertät beschnitten wurden, praktisch ausgeschlossen.

Auf Wunsch kann auch ein konservativer Therapieversuch mit einer cortisonhältigen Salbe versucht werden, die Erfolgsaussichten sind dabei allerdings gering.

Bei Verklebungen der Vorhaut mit der Eichel oder zu kurzem Bändchen können diese Probleme ebenfalls in einer Kurznarkose gelöst werden, ohne dass eine Beschneidung erfolgen muss.

Jedenfalls sollte die Therapie bis zum Pubertätseintritt abgeschlossen sein, um Schmerzen Erektion und psychische Probleme in dieser sensiblen Zeit zu vermeiden.