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Querschnittslähmung

Geschrieben von Martin Haydter. Veröffentlicht in Neurourologie

Eine Querschnittlähmung stellt für die Betroffenen eine völlige Änderung ihres bisherigen Lebens dar. Damit verbunden sind zahlreiche gesundheitliche Probleme, ein wesentliches davon betrifft den Harntrakt.

Da die Kontrolle der Blase durch das Gehirn erfolgt und bei der Querschnittlähmung die Kommunikation zwischen Gehirn und Blase teilweise oder zur Gänze unterbrochen ist, treten schwerwiegende Fehlfunktionen des unteren Harntraktes auf. Je nach Höhe der Querschnittläsion kann eine normale Blasenentleerung meist nicht mehr erfolgen, oftmals entwickelt sich eine sogenannte Reflexblase, bei der der Harn gegen den Widerstand des nicht entspannten Beckenbodens mit hohen Drücken aus der Blase ausgetrieben wird. Dadurch können sich im zeitlichen Verlauf Schäden an den Nieren entwickeln, weil der Harn durch die hohe Drucksituation während solch einer Blasenentleerung auch in die Nierenbecken hochgetrieben wird. Früher sind viele Querschnitt-Patienten dadurch an einem chronischen Nierenversagen gestorben.

Mit modernen Therapien wie vor allem der regelmässigen Blasenentleerung durch Selbstkatheterismus kann diese bedrohliche Situation sehr gut beherrscht werden. Aber auch anderen, für die Patienten unangenehmen Beschwerden wie z.B. dem Harnverlust kann man heute oftmals Abhilfe schaffen.

Bewährt hat sich hierbei gerade in den letzten Jahren die Einspritzung von Botulinumtoxin in die Blase, was zu einer Ruhigstellung für einen gewissen Zeitraum (in der Regel 9 Monate) führt.

Patienten mit Querschnittlähmung sollten von Anfang an in regelmässiger urologischer Betreuung sein. Dabei sind eine urodynamische Ausgangsuntersuchung und danach regelmässige Kontrollen erforderlich, um das Therapieschema immer adäquat und optimal anpassen zu können.