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Multiple Sklerose

Geschrieben von Martin Haydter. Veröffentlicht in Neurourologie

Die multiple Skerose (auch Encephalitis disseminata genannt) ist eine Erkrankung der "tausend Gesichter". Durch sogenannte Entmarkungsareale in Gehirn und Rückenmark kommt es zu unterschiedlichen Symptomen, die von Sehstörungen über Lähmungserscheinungen bis hin zu Störungen von Blase und Darm führen können. Der Verlauf der Erkrankung ist individuell sehr unterschiedlich. Frauen sind häufiger als Männer betroffen, die Erkrankung tritt meist bereits im jungen Erwachsenenalter auf.

Blasenfunktionsstörungen entwickeln sich im Verlauf der Erkrankung bei fast allen (ca. 90 %) Betroffenen. Die Palette der Symptome reicht von der überaktiven Blase mit oder ohne Harnverlust, die anfangs am häufigsten ist, über Harnentleerungsstörungen durch Probleme des Beckenbodens bis hin zur Entwicklung einer schlaffen, funktionslosen Blase, mit der man nicht mehr regelrecht urinieren kann.

Ganz entscheidend ist der frühzeitige Kontakt mit dem Urologen, um eine rechtzeitige Therapie einzuleiten. Zunächst wird neben der Basisuntersuchung ein Blasentagebuch angefertigt, die urodynamische Untersuchung im Krankenhaus sollte dann genauen Aufschluss über bestehende Probleme geben.

Auf Basis dieser Untersuchungen kann die Lebensqualität der Patienten durch eine individuelle Therapie meist deutlich gesteigert werden. Dabei stehen neben Medikamenten auch die sacrale Neuromodulation und die intravesicale Botox-Injektionstherapie zur Verfügung.

In den letzten Jahren ist den Störungen des Harntraktes bei der MS auch unter den Neurologen vermehrt Beachtung geschenkt worden, bisher wurden diesen für die Patienten oftmals belastendsten Symptomen wenig Bedeutung zugemessen .

Es sollte heute medizinischer Standard sein,  jedem Patienten mit der Diagnose multiple Sklerose frühzeitig eine adäquate urologische Betreuung durch einen Spezialisten zukommen zu lassen.