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Sonstige neurourologische Probleme

Geschrieben von Martin Haydter. Veröffentlicht in Neurourologie

Erkrankungen wie Schlaganfall, M. Parkinson oder Demenz sind in der alternden Bevölkerung immer häufiger anzutreffen. Dabei kommt es häufig zu Blasenproblemen, da die Steuerung der Blase durch das Gehirn mehr oder weniger beeinträchtigt ist.

Aber auch durch Nervenschädigungen in Blasennähe, wie sie etwa durch Diabetes mellitus oder einen Bandscheibenvorfall verursacht werden können, entstehen oft urologische Symptome wie etwa eine überaktive Blase mit häufigem Harndrang und auch Harnverlust.

Die urologische Abklärung erfolgt neben der obligaten Basisdiagnostik mit Harnanalyse und Ultraschalluntersuchung durch Führen eines Blasentagebuches, Blasenspiegelung und gegebenenfalls urodynamische Abklärung.

Durch korrekte Diagnose des Problems kann dann auch leichter eine erfolgreiche Therapie gefunden werden.

Dabei gilt: nicht alles kann man wiederherstellen, aber in vielen Fällen kann man eine Verbesserung der Lebensqualität für die Patienten erzielen. 

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Angeborene neurologische Erkrankungen

Geschrieben von Martin Haydter. Veröffentlicht in Neurourologie

Viele angeborene neurologische Erkrankungen wie z.B. die Myelomeningocele (Spina bifida) führen von Anfang des Lebens zu Blasenproblemen, da oftmals eine regelrechte Entwicklung des unteren Harntraktes fehlt.

Schwierigkeiten beim Urinieren, unvollständige oder gänzlich fehlende Harnentleerung sowie oftmals ungewollter Harnverlust führen zur beträchtlichen Einschränkung der Lebensqualität für die Betroffenen.

Eine urologische Betreuung durch frühzeitige urodynamische Abklärung, moderne Therapien und regelmässige Kontrollen können in der Regel die Situation deutlich verbessern. Voraussetzung dafür ist eine modern ausgestattete und fachlich kompetente neurourologische Betreuung.

Als Leiter der Neurourologie an der Urologie Wiener Neustadt konnten wir in den letzten Jahren mehrere innovative moderne Therapieverfahren nach Wr. Neustadt bringen, etwa die intravesicale Botox-Injektionstherapie oder die sacrale Neuromodulation. Für die urodynamische Abklärung steht uns ein urodynamisch voll ausgestatteter funktionsdiagnostischer Raum zur Verfügung.  

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Querschnittslähmung

Geschrieben von Martin Haydter. Veröffentlicht in Neurourologie

Eine Querschnittlähmung stellt für die Betroffenen eine völlige Änderung ihres bisherigen Lebens dar. Damit verbunden sind zahlreiche gesundheitliche Probleme, ein wesentliches davon betrifft den Harntrakt.

Da die Kontrolle der Blase durch das Gehirn erfolgt und bei der Querschnittlähmung die Kommunikation zwischen Gehirn und Blase teilweise oder zur Gänze unterbrochen ist, treten schwerwiegende Fehlfunktionen des unteren Harntraktes auf. Je nach Höhe der Querschnittläsion kann eine normale Blasenentleerung meist nicht mehr erfolgen, oftmals entwickelt sich eine sogenannte Reflexblase, bei der der Harn gegen den Widerstand des nicht entspannten Beckenbodens mit hohen Drücken aus der Blase ausgetrieben wird. Dadurch können sich im zeitlichen Verlauf Schäden an den Nieren entwickeln, weil der Harn durch die hohe Drucksituation während solch einer Blasenentleerung auch in die Nierenbecken hochgetrieben wird. Früher sind viele Querschnitt-Patienten dadurch an einem chronischen Nierenversagen gestorben.

Mit modernen Therapien wie vor allem der regelmässigen Blasenentleerung durch Selbstkatheterismus kann diese bedrohliche Situation sehr gut beherrscht werden. Aber auch anderen, für die Patienten unangenehmen Beschwerden wie z.B. dem Harnverlust kann man heute oftmals Abhilfe schaffen.

Bewährt hat sich hierbei gerade in den letzten Jahren die Einspritzung von Botulinumtoxin in die Blase, was zu einer Ruhigstellung für einen gewissen Zeitraum (in der Regel 9 Monate) führt.

Patienten mit Querschnittlähmung sollten von Anfang an in regelmässiger urologischer Betreuung sein. Dabei sind eine urodynamische Ausgangsuntersuchung und danach regelmässige Kontrollen erforderlich, um das Therapieschema immer adäquat und optimal anpassen zu können.

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Multiple Sklerose

Geschrieben von Martin Haydter. Veröffentlicht in Neurourologie

Die multiple Skerose (auch Encephalitis disseminata genannt) ist eine Erkrankung der "tausend Gesichter". Durch sogenannte Entmarkungsareale in Gehirn und Rückenmark kommt es zu unterschiedlichen Symptomen, die von Sehstörungen über Lähmungserscheinungen bis hin zu Störungen von Blase und Darm führen können. Der Verlauf der Erkrankung ist individuell sehr unterschiedlich. Frauen sind häufiger als Männer betroffen, die Erkrankung tritt meist bereits im jungen Erwachsenenalter auf.

Blasenfunktionsstörungen entwickeln sich im Verlauf der Erkrankung bei fast allen (ca. 90 %) Betroffenen. Die Palette der Symptome reicht von der überaktiven Blase mit oder ohne Harnverlust, die anfangs am häufigsten ist, über Harnentleerungsstörungen durch Probleme des Beckenbodens bis hin zur Entwicklung einer schlaffen, funktionslosen Blase, mit der man nicht mehr regelrecht urinieren kann.

Ganz entscheidend ist der frühzeitige Kontakt mit dem Urologen, um eine rechtzeitige Therapie einzuleiten. Zunächst wird neben der Basisuntersuchung ein Blasentagebuch angefertigt, die urodynamische Untersuchung im Krankenhaus sollte dann genauen Aufschluss über bestehende Probleme geben.

Auf Basis dieser Untersuchungen kann die Lebensqualität der Patienten durch eine individuelle Therapie meist deutlich gesteigert werden. Dabei stehen neben Medikamenten auch die sacrale Neuromodulation und die intravesicale Botox-Injektionstherapie zur Verfügung.

In den letzten Jahren ist den Störungen des Harntraktes bei der MS auch unter den Neurologen vermehrt Beachtung geschenkt worden, bisher wurden diesen für die Patienten oftmals belastendsten Symptomen wenig Bedeutung zugemessen .

Es sollte heute medizinischer Standard sein,  jedem Patienten mit der Diagnose multiple Sklerose frühzeitig eine adäquate urologische Betreuung durch einen Spezialisten zukommen zu lassen.